Flucht aus der DDR – Zeitzeuge am BvSGzurück

Horst Savelsberg berichtet über sein Leben in der DDR

Am diesjährigen SMV-Tag, am 25.07.2018, kam Herr Savelsberg zu uns an die Schule und berichtete über 20 Schülerinnen und Schülern über sein Leben und seine Fluchtversuche aus der DDR. Mit Hilfe seiner Unterlagen konnte er viele Aspekte des Unrechtsregimes anschaulich und detailliert aufzeigen, so z.B. das „Zettelfalten“, also die Wahlen in der DDR, aber auch die Parallelen zu den Strukturen des Nationalsozialismus, angefangen bei der Indoktrination bei den Jungen Pionieren oder in der Schule, das Gängeln der Menschen in ihrem Alltag oder auch die typische Mangelwirtschaft. Besonders interessant wurde es, als er über seinen ersten Fluchtversuch 1966 berichtete. Um der Gefahr von über einer Million Minen an der innerdeutschen Grenze zu entgehen, entschlossen sie sich zu dritt über den Brocken zu fliehen, wurden aber leider von der dritten Person verraten. Es folgte eine Gefängnisstrafe wegen Republikflucht und Entziehung von der Wehrpflicht. Zwangsarbeit, psychische Folter und ein völliges Fehlen rechtsstaatlicher Strukturen wurden hierbei deutlich. Schon der Blick auf einen Zahlenvergleich machte dies deutlich: So waren in der DDR bei 20 Millionen Einwohnern 530 Rechtsanwälte registriert, während die Hansestadt Hamburg heute allein auf ca. 10.000 kommt. Die zweifelhalfte Rolle eines damaligen Anwalts, der heute noch prominent in der Politik auftritt – Gregor Gysi – wurde von Herrn Savelsberg hier auch herausgestellt. Nach seiner Haftentlassung musste Herr Savelsberg zunächst getrennt von seine Familie in Verbannung leben und kam wieder in Haft, aufgrund von zwei Briefen, in denen er fehlende Kohlelieferungen angemahnt hatte, die für den kommenden Winter unerlässlich gewesen waren. Detailreich schilderte er seine weitere Lebensgeschichte und seinen Freikauf durch die Bundesregierung. Dank Herrn Savelsberg konnte das Kapitel der zweiten deutschen Diktatur konkret ausgeleuchtet werden und hat hoffentlich nicht nur dazu beigetragen, die DDR besser bewerten zu können, sondern auch dazu, alle Anwesenden für die Strukturen und Machtmechanismen von Diktaturen zu sensibilisieren und somit ähnliche Versuche in der Politik der Gegenwart zu erkennen.

 

Ingo Sand