Schule

UNESCO Projektschule – was bedeutet das?

Das Bertha-von-Suttner-Gymnasium – eine UNESCO-Projektschule

 

UNESCO-Projektschulen bilden ein weltweites Netzwerk von Schulen, die sich folgenden Themen und Zielen besonders verpflichtet fühlen:

 

Menschenrechtsbildung und Demokratie-Erziehung

Interkulturelles Lernen und Zusammenleben in Vielfalt

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Global Citizenship Education

Kritische Auseinandersetzung mit Freiheit und Chancen sowie Risiken im digitalen Zeitalter

UNESCO-Welterbe-Erziehung

 

In Bayern gehören 30 Schulen verschiedenster Schularten zu diesem Netzwerk. Auf Landes- und Bundesebene wird durch gemeinsame Tagungen und Projekte und vor allem durch die tägliche Arbeit in der Schule versucht, diese Inhalte besonders ins Bewusstsein zu rücken und sich gemeinsam dafür einzusetzen.

 

Zum Netzwerk der unesco-projekt-schulen in Deutschland

 

Bild 1: Lehrerinnen und Lehrer am Eingang zum Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg
Bild 2: Mittagessen in der berühmten Mensa der Hochschule für Gestaltung (hfg), im Vordergrund Professor Otto Herz

„Fokus Frieden“, unter diesem Motto tagten Vertreter von UNESCO-Projektschulen aus ganz Deutschland vom 18. bis 22. September in der Akademie von Dillingen.

Durch Vorträge, Arbeitsgruppen und Exkursionen wurde auf der diesjährigen Bundestagung versucht, zum großen Thema „Frieden“ miteinander ins Gespräch zu kommen, seine vielfältigen Aspekte zu erschließen und für den Schulalltag umsetzbar zu machen. Den Arbeitsgruppen sind jeweils Exkursionen zugeordnet, die das entsprechende Thema vertiefen sollen. Zwei Exkursionen, die vom Bertha-von-Suttner-Gymnasium geplant und betreut wurden, gingen nach Ulm auf den Kuhberg. Am Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK) waren Lehrerinnen und Lehrer zu Gast, die zu den  Arbeitsgruppen „(Neo)Nazismus und Populismus“ und „Shoa und Nationalsozialismus unterrichten: Perspektiven und Entwicklungen aus Israel und Deutschland“ gehörten. Eine zweite Gruppe, die sich mit dem Thema „Architektur und Frieden – Lebensräume gemeinsam gestalten“ beschäftigt hatte, erkundete die Hochschule für Gestaltung (hfg). Die Exkursionen beinhalteten jeweils Führungen an den entsprechenden Orten und Workshops. Am DZOK z.B. war der Workshop zum Thema „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ angesetzt. Es wurden Einblicke in die vielfältige pädagogische Arbeit der Gedenkstätte vermittelt und die Möglichkeit geboten, sich auf ganz individuelle Art diesem besonderen Ort anzunähern.

Am Ende der Veranstaltung waren die Teilnehmer_innen des Lobes voll:

Ein Geschichtslehrer meinte, er habe schon zahlreiche Gedenkstätten besucht, aber so einen intensiven Zugang habe er bisher noch nie bekommen.

Die Anschläge vom 13. November in Paris haben uns von den bayerischen ups-Schulen (UNESCO-Projektschulen) tief getroffen und bestürzt. Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und mit der ganzen französischen Nation.

 

paris
Paris in Trauer

Die erbarmungslosen Angriffe, die mehr als 120 Menschen in den Tod rissen, galten auch uns und unseren gemeinsamen Überzeugungen und Werten. Gerade für diese Werte ist Paris ein Symbol. Hier wurde für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gekämpft, hier wurde die erste Erklärung der Menschenrechte veröffentlicht und hier hat die UNESCO ihren internationalen Sitz. Und: Paris ist die Stadt der Kunst und der Lebensfreude. Eine dogmatische, menschenverachtende und intolerante Ideologie will all das wegbomben und dauerhaft zerstören, wofür Paris leuchtendes Symbol ist.
Geschichte und Gegenwart lehren uns schmerzlich, dass Freiheit, Frieden, kulturelle Identität und Selbstbestimmung nicht selbstverständlich sind. Sie mussten erst mühsam errungen und müssen heute wie ein kostbarer Schatz bewahrt und behütet werden. Wir von den ups-Schulen sind davon überzeugt, dass ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich und notwendig ist.

Die vielen Probleme und Herausforderungen unserer gemeinsamen Welt lassen sich nur im Geiste der Offenheit und des Miteinanders lösen. Dazu ist nötig, dass jedem Menschen die Möglichkeit eröffnet wird, ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu führen, unabhängig von Religion, Geschlecht oder Herkunft. Toleranz, Respekt und Offenheit gehören deshalb zu unseren Leitlinien, die das Selbstverständnis unserer pädagogischen Arbeit prägen. Vor genau 70 Jahren, am 16. November 1945, wurde die Verfassung der UNESCO veröffentlicht. Darin heißt es: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“

In diesem Sinne verstehen wir als ups-Schulen die furchtbaren Anschläge als Auftrag, unseren pädagogischen Einsatz im Geiste des Friedens, der Toleranz und der Menschenrechte noch zu verstärken. Das sind wir nicht nur den Opfern von Terror und Gewalt schuldig, sondern auch der Zukunft unserer Kinder.

Auf eine 30-jährige Schulpartnerschaft können die Richard-von-Weizsäcker-Schule in Cochabamba (Bolivien) und das Bertha-von-Suttner-Gymnasium mittlerweile zurückblicken. Diese jahrzehntelange Verbundenheit wurde in der Aula mit einer Aufführung gefeiert, zu der Frank Weber von unserer Partnerschule geladen hatte. Gemeinsam mit Schülern aus Cochabamba führte er durch ein Programm, das die Gäste informierte, nachdenklich stimmte und aufrüttelte.

Encontrado bedeutet gefunden oder auch zusammengekommen. In einer szenischen Lesung mit Tanz und Videoinstallationen wurden die Zuhörer dazu ermuntert, nicht immer auf der Suche zu sein, sondern sich auch einmal finden zu lassen, für Begegnungen offen zu sein und Glücksmomente zuzulassen: „Es ist Zeit, das Leben mit Freude zu füllen!“

In einer Interaktion eines Tänzers auf der Bühne mit einem auf eine Leinwand projizierten Tänzer wurde gezeigt, dass wir Menschen oft wie Marionetten agieren und dies durchbrechen müssen. Anschließend erzählt Frank Weber von seiner eigenen Motivation, Straßenkindern zu helfen. Diese entsprang vor allem der Wut auf ein System, das Kindern elementare Rechte verweigert, und der Wut auf diejenigen, die soziale Not für ihre Geschäfte ausnutzen. Um aus diesem negativen Gefühl der Wut heraus zu finden, half es, einen Schritt zur Seite zu treten und so zu handeln, dass die Situation der Kinder verbessern wird.

Im Dezember 2016 konnte der 18. Abiturjahrgang am Centro Educativo Richard-von-Weizsäcker verabschiedet werden.

Schulleiterin Jutta Gruber dankte Frank Weber dafür, dass durch sein Engagement das Recht auf Bildung Verwirklichung findet. Dank ging auch an die erste Schulleiterin des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums, Karin Weisgräber, die diese Schulpartnerschaft mit ermöglicht hatte.

Dieses Jahr wurde der Kontakt zu unserer Partnerschule in Cochabamba/Bolivien v.a. über zwei Veranstaltungen für Schüler gepflegt:

  • Zum einen gab es die alljährlichen Treffen zwischen Frank Weber und allen 5. Klassen vor dem Weihnachtsbasar. Diese „Erstkontakte“ sollen über die lange Geschichte unserer Partnerschaft informieren und für den Einsatz beim Weihnachtsbasar motivieren, dessen Erlös seit über 25 Jahren an unsere bolivianische Partnerschule geht.
  • Zum andern kamen diesmal alle Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen in den Genuss einer Sonderveranstaltung (am Vormittag). Am 15.März präsentierte Frank Weber zusammen mit zwei Jugendlichen aus Cochabamba ein musikalisch-kulturelles Programm in der Aula unserer Schule, das intensive Einblicke in den Alltag der Menschen in Bolivien ermöglichte:

Frankfurter Erklärung der deutschen UNESCO-Projektschulen

„Die UNESCO-Projektschulen in Deutschland verurteilen die in den letzten Monaten zunehmenden Gewalttaten gegen Flüchtlinge als Verstöße gegen die Menschenrechte und gegen die grundlegenden Werte unserer Demokratie, denen wir als UNESCO-Projektschulen in besonderem Maße verpflichtet sind.

In der derzeitigen aufgeheizten gesellschaftlichen Debatte appellieren wir an alle Beteiligten, zu einem umfassenden toleranten, respektvollen und konstruktiven Dialog zurückzukehren.“

Ende Juli fand der erste UNESCO-Projekttag statt. In allen Klassen wurden interkulturelle Aktionen oder Workshops durchgeführt wie z.B. Tango, Spanische Tapas usw.

Alle zwei Jahre veranstalten die UNESCO-Projektschulen weltweit einen sogenannten Solidaritätstag zu einem gemeinsamen Thema.

Das diesjährige ließ sich hervorragend mit der vom Ministerium gewünschten Gesundheitswoche verbinden und so haben wir vom 27. Februar bis 2. März 2012 eine Projektwoche unter dem Motto „Hinterm Tellerrand geht’s weiter – Weltbewusst essen und leben“ veranstaltet. Es gab viele Ideen und Angebote: vom gesunden Frühstück über Gespräche mit einer Ernährungsberaterin bis hin zum Besuch auf einem Biobauernhof…

Jede Klasse konnte sich gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern eine oder mehrere Aktionen aussuchen und im Lauf der Woche durchführen. Zwei 5. Klassen haben sich beispielsweise mit dem Thema Schokolade beschäftigt und einen „Schokologie-Lernzirkel“ absolviert. Worum es dabei ging, fassten einige Schülerinnen und Schüler z.B. so zusammen:

  • Es ging um fairen Handel von Schokolade. Wir haben das Land, das am meisten Kakao produziert, gesucht und gefunden. Es war Nigeria. Wir haben festgestellt, dass Kinderarbeit hinter unfairem Handel steckt.
  • Fair-Handel ist, wenn eine Firma einen fairen Handel den Bauern vorschlägt. So bekommen die Bauern genug Geld zum Überleben.  (…) Beim Fair-Handel ist z.B. bei Schokolade kein weißer, sondern brauner Zucker drin. Das heißt aber nicht, dass brauner Zucker schlecht ist. Im Gegenteil. Der weiße Zucker wurde durchgesiebt und dabei gehen viele wertvolle Mineralien verloren.
  • Ich kaufe nur noch teure Schokolade, weil ich weiß, dass diese Schokolade von Bauern hergestellt wurde, die genug Geld dafür bekommen haben. Zwar ist diese teurer, aber auch gesünder.